Die Besten der Besten

EDITORIAL

"Warum sind Sie hier?" fragt der leitende special agent den Kandidaten. "Sir, weil Sie die Besten der Besten der Besten suchen - Sir!" brüllt der getestete Elitesoldat zurück. Er bekommt den Job nicht. Statt seiner wird ein netter, chaotischer, menschlicher, sehr sportlicher Polizist engagiert - von den Men in Black, den Beamten der geheimen Behörde für intergalaktische Asylangelegenheiten in New York.

Das Beste ist nicht mehr gut genug, alles muss modernisiert, optimiert und professionalisiert, exzellent, zukunftsfest und zukunftsfähig werden. Anders als im Film eskaliert im globalisierten Geschwätz der Gegenwart - durch Ironie kaum gebrochen - die Modernisierungsrhetorik.

Alles neu und besser machen zu wollen, ist allerdings keine Erfindung des Augenblicks. Politisch heißt diese bewährte Geisteshaltung "Revisionismus": aus Erfahrung lernen, aus Schaden klug werden, Bestehendes reformieren.

Nun schickt sich die Reformpartei SPD an, ein neues Grundsatzprogramm zu schreiben, die Parteistrukturen zu reformieren und das Personal zu verjüngen. Diese Rundumerneuerung ist nötig, aber sie ist keineswegs so unerhört, wie sie in mancher öffentlichen Darstellung erscheint. Das neue Parteiprogramm wird das achte in der 137-jährigen Geschichte der deutschen Sozialdemokratie sein. Und mit dem Parteireformprojekt "SPD 2000" kämpfte schon Anfang der neunziger Jahre ein jungdynamischer Bundesgeschäftsführer - wie hieß er noch gleich?

Was schließlich die personelle Erneuerung angeht, so hat gewiss der Genosse Gerhard Seger aus Dessau recht, der schreibt: "Bei den ganzen Debatten über die Verjüngung der Partei vergessen (...) die älteren Genossen (...) immer wieder, dass sie selber in viel jüngeren Jahren zur parlamentarischen Tätigkeit gekommen sind als diejenigen Genossinnen und Genossen, die heute von den alt Gewordenen als junge Dachse angesehen werden." Und: "Ich habe nicht den Eindruck, als stünde unsere Partei in der Gefahr, einen zu großen Zustrom jugendlichen Nachwuchses zu bekommen." Nachzulesen in der Zeitschrift Das Freie Wort vom 11. Dezember 1932.

Die neueste Erneuerungswelle der revisionistischen Sozialdemokratie am Beginn des 21. Jahrhunderts ist Thema dieses Heftes - und war Thema einer Tagung ("Flexibilität und Sicherheit") des Herausgeberkreises der Berliner Republik mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Anfang Juni in Freudenstadt/SchwarzwaId. Einige Beiträge von dieser Tagung finden sich auch im Heft, Bilder auf Seite 35.

Neu in den Herausgeberkreis eingetreten ist die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese.

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