Parole 30 ruft Parole 18

Freies Holz wächst, wo es will. Doch der wichtigste Rohstoff ist die Bildung: Wie die Centrale Föderalisten Partei gegründt wurde

Die jüngst in Frankfurt geplatzte "Schwampel" ließ ihren Spritzerregen nun auch über Berlin herniedergehen. Der Konstellationen gibt es viele - eine bisher kaum für möglich gehaltene Variante folgt.

I.
Vor dem Sitzungssaal der Liberalen stehen am späten Abend zwei einsame Gestalten.

Giudo: Cornelia!


Pieper: Ja, Guido?


Guido: Liebes, es geht nun aber los!


Pieper: Aber wohin denn?


Guido: Egal, Hauptsache voran!


Pieper: Aber ich bin doch noch keine 18. Da schimpfen die Eltern wieder.


Guido: Du siehst viel älter aus als 18. Mit deinem roten Glitzer-Hosenanzug allemal. Komm!


Pieper: Und wenn Gregor mich nicht reinlässt?


Guido: Der mag dich. Komm!


Pieper: Ich tusch′ mich geschwind noch etwas.


Guido: Wo?


(Beide ab)

II.


Park am Reichstag. Es windet. Mondlicht. Jemand geht still vorüber. Unter Bäumen eine Gruppe Herren.

Gregor: Wo bleiben sie nur?


Walter: Wo ist meine Gruppe?


Gregor: Ruhig, Walter, die Gruppe kommt noch. (Wispert:) Parole 30 ruft Parole 18?!


Guido: (eilt mit Pieper schnellen Schritts herbei) Die Orientierung an Prozent-zahlen verdeckt nur, was die absoluten Stimmenzahlen offen legen. Die Zeit der Volksparteien ist vorbei.
Gregor: Aha.


Guido: Viele Bürgerinnen und Bürger suchen eine neue politische Heimat (blickt sich um) .


Edmund: Genau. Deshalb treffen wir uns ja unter Bäumen. Heimat, das ist der ländliche Raum. Den müssen wir bewahren. Das Unsicherheitsgefühl der Bürger in den Städten ist spürbar und wächst (nimmt Witterung auf). Holz ist der wichtigste einheimische nachwachsende Rohstoff.


Pieper: Ja, doch. Freies Holz wächst wo es will. Der wichtigste Rohstoff der Deutschen ist aber die Bildung.
Edmund: Holz!


Pieper: Bildung!


Edmund: Hohoolz, dammische Preißn!


Gregor: Psst! Immer mit der Ruhe! Die Grundgüter eines Lebens in Freiheit und Selbstbestimmung sind dauerhaft nur miteinander zu haben oder gar nicht.


Edmund/Pieper: Kommunist! Holzkopf! Mauerbauer!


Gregor: Eine zukünftige Land- und Forstwirtschaft muß eine gesunde Ernährung sichern und von Respekt vor allen Lebewesen bestimmt sein.


Jürgen: (deutet heimlich auf Pieper) Vor allen? Das geht zu weit. Aber das mitdem Holzpfand finde ich irgendwie gut. Muss alles noch abgehobelt werden, is′ aber klasse.


Edmund: Die Sowjetunion ist untergegangen. Muss ich mir da den Trittin noch länger anhören?


Pieper: Ja, doch. Ich denk′, der soll mitmachen.


Edmund: Nur über meine Leiche.


Jürgen: Feigling! (wirft mit einer Dose nach Edmund)


Franz Josef: Jetzt lass mir den Kleinen in Ruh, ja!


Gregor: Wir jedenfalls wollen niemandem ein glücksbringendes System verordnen.


Edmund/Pieper: Kommunist! Dosenpfandler!


Guido: Bitte mit der Ruhe. Wir wollen hier weiterkommen mit der Fusion.


Gabi: Also das mit dem C in der CFP, das mache ich nicht mit. Unsere Atheistenfraktion kriegt einen Schreikrampf.


Franz Josef: So wird das nichts. C ist C ist C ist C.


Pieper: Vielleicht Centrale Föderalisten Partei?


Franz Josef: Wer bist denn du?


Pieper: Die Cornelia Pieper!


Franz Josef: Tusch Dich erstmal an, bevor du hier rumsabbelst.


Giudo: Getuscht ist sie!


Edmund: Sieht man aber nicht.


Pieper: (tuscht sich beleidigt nach und schweigt)


Walter: Und wo ist nun meine Gruppe?


Gregor: Die Wegwerfgesellschaft wirft auch Menschen weg.


Walter: Ja, recht haste! Aber wer soll dann Berlin in dieser dramatischen Lage übernehmen?


Guido: Das soll Mölli machen! Der hat das Zeug zum Regierenden Bürgermeister!


Gabi: Viele Menschen haben die Erfahrung, dass ihre Qualifikation nicht mehr gebraucht wird. Ist aber eine pfiffige Idee.


Guido: Ich sehe, wir kommen gut voran. Die Kleinen müssen sich zusammentun.


Edmund: Dann müssen sich die Liberalen aber aus Bayern zurückziehen.


Guido: Kein Problem, da haben wir noch vierzehn Mitglieder. Die gehen dann nach Thüringen.

(Durch das Dickicht wird mit verbundenen Augen der Bundestagspräsident geführt, Franz Josef nimmt ihm die Augenbinde an.)


Thierse: Seid ihr so weit?


Edmund: Ja, Herr Präsident. Der Vereinigung von CSU, PDS und FDP steht nichts mehr im Wege.


Thierse: Gut, dann bauen wir im Bundestag einfach die Zuschauertribüne für euch um.


(Im Hintergrund hört man irres Gekicher. Trittin und Franz Josef prosten sich mit Blechdosen zu. Dann alle ab.)

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