Baden und Salzen mit Tissy Bruns

Wie eine Journalistin zum Traumangebot wurde - aber nur kurz

„Was haben Harald Martenstein, ein Hochzeitsplaner und eine Männerstrippgruppe gemeinsam? Sie alle kann man dieses Jahr bei der Online-Aktion ‚Der Tagesspiegel erfüllt Träume‘ ersteigern.“ So beginnt das Vorwort einer Beilage der Berliner Tageszeitung, die es in den vergangenen gefühlten 100 Jahren nicht vermocht hat, auch nur annähernd Großstadtformat zu erzielen.

Ach, Berlin. Träume wurden hier rar gesät und sind noch rarer aufgegangen. Nun, wo die Mauer angeblich weg ist und in blöden Pappmaschee-Aktionen wieder und wieder umkippen muss, nun dürfen sich hier wieder diejenigen austoben, die schon unter Ristock, Landowsky und Diepgen alle Hände voll zu tun hatten, den     eigenen Mief tagtäglich zu dem Problem aller anderen zu erklären.

An vorderster Front der Tagesspiegel. Gäbe es nicht am Sonntag diese possierlichen Geschichten aus dem Stadtleben, man könnte ganz auf diese alte Tante verzichten.

Zu Weihnachten 2009 können Sie nun aus einem reichhaltigen Angebot an gespendeten Waren und Dienstleistungen wählen und diese zur Linderung der Not anderer online ersteigern:  


Ein Armband aus Rochenleder (1.250,-), eine Anleitung zum Glücklichsein mit Partnermassage (250,-), die „Katze mit Schale“ für 640,- oder einen Tag Hummer fahren für 259,-: All dies können Sie im Weltgewebe des Tagesspiegels ersteigern und damit sich und andere genauso unglücklich machen, wie es die gesamte Redaktion der taz immer dann ist, wenn sie mal wieder mit der neuen Chefin über Globuli hat diskutieren dürfen.

Um in der Fülle der Angebote jedoch das herausragendste, prickelndste und alleroberwichtigste meistern zu können, brauchen Sie eine minimale Vorbereitung:


Wir raten als angemessenes Outfit bei der Begegnung mit diesem Angebot zu den „Overkneestiefeln El Vaquero“, leider nur in 38 oder 40,5 für 890,- erhältlich. Diese sind Python-geprägt und mit Stoffnappaleder gerafft. Besonders edel durch Goldpaspelierung und Besatz mit Swarovskistrasssteinen. Dazu passend „Galakleid rot“ für 5.950,-, das „Individuelle Parfüm im Jahreszeitenabo“ für knappe 160,- und vorher unbedingt: Salzpeeling, Hot Stone, Mikrosalt und ein Glas Tee für preiswerte 49,50. Schwupps noch kurz das Benimmtraining bei Dr. Binder gebucht (es gilt das Höchstgebot), eine Hypoxi-Figurformung (790,-) und die Fingernägel saubergemacht (Selberversuch) und dann sind wir bereit für den HAUPTPREIS.

Da ist es, das „EINMALIGE TRAUMANGEBOT“ mit der Ordnungsnummer 275: „Begleiten Sie die politische Chefkorrespondentin Tissy Bruns des Tagesspiegels zu einer Regierungspressekonferenz und nehmen Sie bis zu drei Begleitpersonen mit. Im Anschluss steht Ihnen Frau Bruns für eine Kurzdiskussion zur Verfügung.“

Kurzdiskussion mit T. Bruns. DER TRAUM. Da haben Sie vorher mal knappe 9.389,50 Kröten investiert, das notlindernde Gebot für Tissy (kurz) noch nicht mitgerechnet, und dann stehen Sie in der Bundespressekonferenz! Mit der politischen Chefkorrespondentin! Des Tagesspiegels!

    Kollege:     „Hallöle Tissy, wen hast du denn da mitgebracht? Deine Familie
                     auf Großstadttour? Und wer ist die Tussi in den Overknees?“
    Bruns:       „Ich bin das einmalige Traumangebot meiner Zeitung.“
    Kollege:     „Das wissen wir, aber wer sind die Blödels neben dir?
    Tissy:        „Die haben mich gewonnen.“
    Kollege:     „Wo sind Frau Chefkorrespondentin denn versteigert worden?“
    Bruns:       „Online. Für die große Sache. Lorenzo und Appenzeller haben
                     mich zur Linderung der Not bekniet. Danach aber nur
                     Kurzdiskussion!“

Dann geht’s zur Pressekonferenz. Niebels Sprecher über China, Brüderles Sprecher über Opel, Rammsauers Sprecher über Rammsauer, Dieter Wonka über Schweinereien, Jungs Sprecher über Roland Koch. Ein Highlight jagt das andere. Und Sie mittendrin. Mit Tissy. Und den Overknees. Bis zum Bersten gespannt auf die anschließende Kurzdiskussion. Bruns zu China, Rammsauer, zu Opel und Koch. Stoff zum Nachdenken für die kommenden Jahre. Noch die Enkel…

Sollte es trotz dieser widrigen Umstände doch zu einer Näherung kommen, so empfehle ich vorab schon mal die „Zeit zu zweit in Oberwiesental“ (Angebot Nr. 530 für 378,-). Bei Schnee und Matsch kommen die Stulpenstiefel erst voll zu ihrem Recht. Zum Wandern bleibt Zeit, denn Frau Bruns bleibt auch hier kaum länger. 

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